Das Karmaprinzip

Das Karma-Prinzip und was es mit Reisen zu tun hat

Angefangen hat es, als ich noch jeden Morgen mit dem Auto zur Arbeit gefahren bin. Obwohl es nur zehn Kilometer waren, habe ich teilweise eine Dreiviertelstunde gebraucht. Es gab insgesamt vier Kreuzungen, an denen ich links abbiegen musste. Im Berufsverkehr ein Ding der Unmöglichkeit. Ich war darauf angewiesen, dass mich nette Menschen reinlassen. Und da kommt das Karma ins Spiel.

Immer wenn mich jemand vorgelassen hat, habe ich mich unglaublich elend gefühlt, statt mich zu freuen. Mir hat gerade jemand etwas Gutes getan, ohne dafür eine Gegenleistung von mir zu erhalten. Ich hatte das Gefühl nur zu nehmen und nichts zu geben. Also hielt ich aufmerksam Ausschau nach jemanden im Straßenverkehr, den ich ebenfalls vorlassen konnte. Die Kinder, die die Straße ohne Zebrastreifen überqueren wollen oder der Fahrradfahrer, der versucht auf die Hauptstraße aufzufahren. Je mehr Leuten ich im Straßenverkehr etwas Gutes tat, desto kleiner war mein schlechtes Gewissen, wenn mich jemand vor ließ und desto größer meine Hoffnung, dass es jemand beim nächsten Mal bei mir tun würde.

Das ganze nennt man Karma. Das frühere Handeln, bedingt das gegenwärtige Schicksal. In einfach erklärt: Tue ich jemanden etwas Gutes, wird auch mir Gutes widerfahren. Oder im Umkehrschluss eben auch was Schlechtes.

Hallo – Mein Name ist Earl – Eine Serienempfehlung

Als ich meinem Freund von meinen Karmapunkten erzählte, lachte er nur, schaltete den Fernseher an und startete die erste Folge der Serie Mein Name ist Earl*.
Auch bei Earl dreht sich alles ums Karma. Als er im Lotto gewinnt und kurz darauf angefahren wird und den Lottoschein wieder verliert, glaubt er daran, dass das Karma ihn für seine üble Vergangenheit bestrafen will. Er fertigt eine Liste an, mit all den Dingen, die er wieder gut zu machen hat. Und siehe da: Der Lottogewinn kommt wieder zu ihm zurück.
Bis auf das unbefriedigende Ende nach der dritten Staffel, eine definitiv zu empfehlende Serie.

Ähnlich betreibt es die Protagonistin Ariadne im Roman Fortune Cookie Love* von A.L. Kahnau. Ari glaubt daran, dass man nicht immer Glück hat. Jedem Ereignis teilt sie eine Punktzahl zu und wenn das Glückskonto aufgebraucht ist, passiert eine Katastrophe, um es wieder zu füllen. Kündigung erhalten: +150 Glückspunkte.
Das sorgt dafür, dass Ariadne sich auch über negative Sachen freuen kann. Damit ist das aber auch schon das einzige Gute an ihrer permanenten Angst vorm Glück.

Was hat das ganze jetzt mit Reisen zu tun?

Nicht nur speziell mit Reisen, sondern eher mit dem ganzen Leben.
Auf einer Weltreise kann nicht immer alles gut laufen. Es gehen auch mal Dinge schief, über die du dich ärgern wirst. Ich habe mich an manchen Tagen so sehr geärgert, dass mich der ganze Frust runter gezogen hat. Um die Weltreise vor lauter Missgeschicken und schlechten Tagen nicht abzubrechen, habe ich mich bei Freunden ausgekotzt. Habe alles nieder geschrieben, was aktuell schief läuft und die Nachricht dann nicht abgeschickt. Weil es mir schon besser ging. Jetzt hatte ich eine Liste mit all den Dingen, die scheiße laufen. Und was fängt man damit an?

Lerne die kleinen Dinge schätzen

Ein negatives Erlebnis wird im Schnitt zehn Mal häufiger weitererzählt, als ein gutes. So lernte ich das schon auf der Arbeit, dass ich für jeden Bockmist den ich baute, mindestens zehn Erfolge generieren musste.
Aber auch in unserem Denken ist das so. Ich denke zehn Mal länger darüber nach, dass die Mietwagenfirma uns über den Tisch gezogen hat, als mich über das kostenlose Upgrade bei der Tour zum Strand nach Piha zu freuen. Wir nehmen positive Erlebnisse nicht so intensiv wahr, wie negative. Und das habe ich geändert.
Zusätzlich zu der “Was läuft alles scheiße Liste”, habe ich eine “Was ist mir heute Gutes widerfahren Liste” angefertigt. Und manchmal stehen auch nur kleine Dinge darauf, wie, dass mich das nette Backpacker-Pärchen so freundlich angelächelt hat, nachdem mich meine Gastfamilie am Busbahnhof abgesetzt hat. Vermutlich fanden sie den Moment nur süß, mir hat es aber den Mut gegeben, dass mich fremde Menschen aufmuntern wollen, wenn ich gerade Abschiedsschmerz verspüre.

Wenn aus der Negativliste eine To-Do-Liste wird

Aus der “Was läuft alles scheiße Liste” wurde eine To-Do-Liste. Statt mich weiter über den Punkt “Helpx Farm hat zwei Tage vor Aufenthaltsbeginn abgesagt” zu ärgern, setzte ich mich hin, suchte neue Farmen raus und schrieb Bewerbungen. Nach und nach konnte ich die Liste kürzen. Eine neue Farm war gefunden und die Absage darüber hinaus komplett vergessen.
Andere Dinge, wie die Mietwagenfirma nutze ich zum Anlass mich mit Aufklärungsjournalismus zu beschäftigen und einen Artikel über Mietwagenabzocke zu schreiben. Wer weiß, vielleicht bringt mich der Artikel so weit, dass ich das verlorene Geld damit wieder einnehme.

Wie du selbst zum Karma werden kannst

Das Karma Prinzip

Zurück zum Straßenverkehr. Der ist hier in Neuseeland definitiv karmavoller als in Deutschland. Während die Deutschen fahren wie die letzten Vollegoisten, jeder nur an seine eigene Eile denkt, ist in Neuseeland Rücksichtnahme geboten. Es gibt nicht viele zweispurig ausgebauten Fahrbahnen, also fährt man links ran, wenn man eine Autoschlange hinter sich hat, und lässt die anderen überholen.

Wenn jeder morgens auf dem Weg zur Arbeit Karmapunkte sammeln würde, dann kommen wir alle schneller voran. Ich benötige für meinen Weg vier Punkte, also muss auch ich vier Mal Rücksicht auf jemanden nehmen. Tun das all die achtzigtausend Pendler morgens in Koblenz, entspannt sich der Verkehr und riskante Manöver nehmen ab. Stell dir die Fahrbahn wie einen riesigen Zebrastreifen vor: Siehst du jemanden der eine Kreuzung überqueren muss, halt kurz an und lass ihn passieren. Danach kannst du dich sogar für kurze Zeit mit 20 km/h statt den üblichen 10 km/h bis zum Stauende vorwärts bewegen.

Warte nicht auf das Karma: Sei es selbst! Tue Gutes und dir wird Gutes widerfahren.

Nein, ich glaube tatsächlich nicht daran, dass wir eine Art Prepaidkarte für´s Glück haben, die wir einfach aufladen können, wenn sie alle ist.
Aber ich glaube daran, dass du als freundlicher und rücksichtsvoller Mensch das zurückbekommst, was du ausstrahlst.
Wenn du der grummeligen Kassiererin an der Kasse ein Lächeln und ein paar nette Worte schenkst, wird sie gleich viel freundlicher zu dir sein.
Behandle Menschen so, wie du auch behandelt werden möchtest. Je mehr Menschen sich diesen Satz zu Herzen nehmen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass dir jemand mit freundlicher Art begegnet.

Bei Risiken und Nichteintreten eines Glücksfalls, lassen Sie sich bitte als ausgesprochener Pechvogel registrieren.

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Nach oben führt auch ein Weg hinab von April WynterBegleite Maddy und ihren Grandpa in die Rocky Mountains!

Im Mai 2020 erscheint mein in Kanada spielender Jugendreiseroman, der durch meine Weltreise inspiriert wurde.

Kann Spuren von Fernweh enthalten!
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7 Comments

  1. Hi,
    Da gebe ich dir recht. Man bekommt das zurück was man ausstrahlt und was man selber auch gibt. Das ist ein Prinzip das überall auf der Erde funktioniert.
    Sehr schöner Artikel.

    Liebe Grüße
    Katrin Haberstock

    1. Hey Katrin,

      da bin ich froh, dass ich nicht alleine mit der Meinung dastehe. Aber das beste Beispiel ist da das Lächeln. Wer mit einem Lächeln auf den Lippen durch die Gegend läuft, der wird eher eines zurück bekommen, als ein Miesepeter.

      Liebe Grüße,
      Alexa

  2. Hey ein toller Artikel 🙂 Auch wenn ich es in manchen Situationen nicht wahrhaben will: Es kommt wirklich oft zurück, was man aussendet.
    Liebe Grüße Nele

  3. Hey Alexa,
    ein richtig schöner Artikel. Und mal was ganz anderes.
    An dem Karma Prinzip ist schon ganz schön viel Wahres dran, und dafür muss man auch kein spiritueller oder religiöser Mensch sein.

    Man erntet, was man sät, ein alter Spruch, aber deswegen nicht weniger wahr.

    Liebe Grüße,
    Sabrina

  4. Liebe Alexa,

    da gebe ich dir zu 100% recht! Ich vertrete genau die selbe Meinung! Immer positiv denken und das auch ausstrahlen, dann zieht man das Glück magisch an 😉

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