Artlake Festival – Zwischen Hängematten, Baumhäusern und Bällebädern

Wummernde Bässe, schlaflose Nächte, zelten am Strand und jede Menge alternatives Leben. Das Artlake Festival ist eine Art Kunst-, Workshop-, Elektro-, Hippie- Festival in Brandenburg und findet im August statt. An der romantischen Kulisse eines Sees werden ähnlich wie beim Feel Festival atemberaubende Locations aufgebaut und der Wald in eine märchenhafte Welt verwandelt.

Der Unterschied zum Feel Festival ist, dass es neben der Musik haufenweise Workshops gibt. Und zwar so viele, dass man schnell den Überblick über den Time Table verliert – und zwar nicht nur ich als Besucher, sondern auch die Veranstalter.

Aber der Reihe nach:

Zelten im SandEs gibt ein ganz normales Ticket für Rund 80 €. Wer mit seinem Auto auf das Gelände will, weil er sich die zwei Kilometer Sachen schleppen vom Parkplatz sparen will, der muss sich einen separaten Autopass für 20 € kaufen. Die Anzahl ist limitiert und gegen Ende schnell ausverkauft gewesen.
Selten habe ich so bequem gezeltet wie hier. Weicher Sand, jedoch nicht so weich, dass die Heringe nicht gehalten hätten. Morgens wurde man nicht von der unbarmherzigen Sonne aus dem Zelt geprügelt, denn die Bäume und Büsche spendeten genügend Schatten.
Das Essensangebot ist unglaublich. Lediglich Fleischesser kommen hier etwas zu kurz. Gerade einmal ein Stand bot welches an. Vegetarische und vegane Gerichte dominieren. Ich hätte mich den ganzen Tag mit Essen beschäftigen können. Gut, dass ich den Campingkocher und die übliche Dose Ravioli daheim gelassen habe.

Baumhäuser auf dem ArtlakeDas Workshopangebot ist vielseitig. Yoga am Strand, Meditationen, Vorträge, Diskussionsrunden, Zeichenkurse oder doch Hula-Hoop? Hier eine Entscheidung zu treffen fällt schwer. Da viele Workshops parallel laufen, entscheide ich mich für Yoga am Strand. Und da warte ich und warte und warte. Irgendwann nimmt eine Teilnehmerin das Ruder in die Hand und bietet an, mit einer kleinen Gruppen Yoga zu machen. Jemand aus dem Veranstaltungsteam bekommt das mit und drückt ihr das Mikro in die Hand. Der eigentliche Yogalehrer hätte eine zu harte Nacht gehabt, und könnte heute kein Yoga machen. Hätte uns darüber nicht früher jemand informieren können? Immerhin sind über fünfzig wartende Menschen mit Yogamatten nicht gerade unauffällig.

Outdoor Kino SaalEgal, weiter gehts ins Kino. Kinositze aufgebaut in einem Schuppen ohne Dach. Die Location ist urig lädt zum Wohlfühlen ein. Ein Vortrag über Redesign soll stattfinden. Wir hören arabische Musik und bekommen passende Schallplatten rumgereicht. Irgendwann fragen wir, was mit dem Redesign-Vortrag ist. Der Schallplattenmensch weiß es selbst nicht. Als ich beschließe zu gehen, ist ein Mann am Eingang, der gerade einer anderen enttäuschten Teilnehmerin erzählt, dass der Vortrag ausfällt.

Ein Bällebad für ErwachseneEbenso enttäuscht suche ich die Location zum Festival Make-up auf. Keine Spur von exzentrisch geschminkten Menschen. Stattdessen beginnt ein Yoga Workshop, den ich so gar nicht auf dem Plan hatte. Vor der „Künstlerischen Freiheit“ hängt ein Schild auf dem der Kurs als Activ Inside Yoga ausgeschildert ist. Ich beschließe für den nächsten Tag, dass ich lieber unter schattigen Bäumen, statt am sonnigen Strand Yoga machen will. Dass es sich bei dieser Form von Yoga um Acro Yoga handelt, erfahre ich am nächsten Tag erst nach den Aufwärmübungen. Egal, die Kursleiter sind gut, die Teilnehmer nett, ich habe Spaß.

Hängematten von Häng ausprobieren

Um jetzt nicht noch weiter über ausgefallene, verschobene oder nicht auffindbare Workshops zu reden: Die Organisation hat etwas zu wünschen übrig gelassen. Ich weiß nicht, ob ich mir einfach nur die falschen Kurse ausgesucht habe (Der Aktzeichenkurs meiner Schwester und auch der Vortrag über Linksunten von einer Anwältin haben zur vollsten Zufriedenheit stattgefunden) oder ob sich die Veranstalter bei der Komplexität des immer größer werdenden Festivals übernommen haben: Etwas frustriert war ich schon.

Artlake Disco am Strand

Und das auch aufgrund des Schlafmangels. Denn die Musik dringt von drei verschiedenen Dancefloors ununterbrochen auf einen ein. Unser Zeltplatz ist umzingelt davon und an Schlaf kaum zu denken. Wer lärmempfindlich ist, ist hier wirklich schlecht aufgehoben. Normalerweise kenne ich das von den Metalfestivals so, dass wenn die letzte Band gespielt hat nur noch ein paar Nachbarn Musik hören. Das tat hier keiner, denn eigene Boxen waren verboten und ziemlich überflüssig.

 

Rückblickend betrachtet war das Artlake für mich Metalbegeisterte eine einmalige Erfahrung. Die Location, die Dekoration und Vielfalt des Festivals ist überragend. Wer sich an ununterbrochener wummernder Musik, etwas chaotischen Zeitplänen und mehr Grasgeruch als in einem Coffeeshop in Holland nicht stört, wird wundervolle vier Tage verbringen können.

Artlake Festival am Bergheider See


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