Great Ocean Road Reisebericht

Ein unvergesslicher Ausflug an die Great Ocean Road

Die Great Ocean Road. Einen Tag, der sich nicht mit Worten beschreiben oder mit Fotos festhalten lässt. Ein Ausflug in das Australien, das ich aus Dokumentationen kannte und für zu unwirklich gehalten habe, als das es wirklich existieren könnte. Und trotzdem versuche ich es: Der Great Ocean Road mit Worten und Bildern gerecht werden. Ein Reisebericht für alle Daheimgebliebenen. Für alle, die noch einmal in Erinnerungen schwelgen wollen und für die, die ihre Vorfreude steigern möchten. Achtung: Dieser Bericht könnte Spuren von Spoilern enthalten und weniger Tipps zum selbst bereisen.

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Great Ocean Road

“Welcome to my office. It’s a beautyful day”, begrüßt uns Chris, unser Tourguide von Bunyip Tours. Der gut gelaunte Australier hat sichtlich Spaß an seiner Arbeit. Und heute sind wir sein Job: 24 Touristen, die mit seinem Kleinbus über 500 Kilometer durch die Gegend gefahren werden wollen. Einmal an die Great Ocean Road, am Surferparadies vorbei, durch einen Regenwald fahren, bis hin zu einem der Wahrzeichen von Australien: Den zwölf Aposteln.

Warum ich einen Tagesausflug bei einem Touranbieter gebucht habe

Türkisblaues Meer

Eigentlich bin ich kein Freund von typischen Touri-Ausflügen. Ich weiß noch wie eine Freundin und ich in Teneriffa auf den Teide wollten und wir über den Preis der Tour nur den Kopf schütteln konnten. Wir fuhren mit dem regionalen Bus für einen Bruchteil des Geldes selbst hinauf und saugten die nötigen Infos zu dem inaktiven Vulkan über Broschüren in uns auf.
So war auch mein Plan für die Great Ocean Road. Wenn dir dafür aber nur ein Tag Zeit bleibt und du alleine reist, wirst du schnell merken, dass du nicht günstiger reisen kannst. Im Vergleich zum Mietwagen, der mich 64 € gekostet hätte zzgl. Sprit, ist die Tour für 87 € die günstigere und vor allem stressfreiere Variante. Außerdem war ein gutes Mittagessen mit inbegriffen, ganz anders als es in der Beschreibung ausgewiesen. So konnte ich entspannt aus dem Fenster schauen, den Worten von Chris lauschen und den Ausblick genießen. Über zehn Stopps hatten wir. War irgendwo eine Parkbucht frei und wir gut in der Zeit, hielt Chris den Bus kurz an, damit wir Fotos machen konnten.

Wie du selbst am besten an die Great Ocean Road reist

Strand am Surferparadies

Die Vorteile, wenn du selbst organisiert mit einem Mietwagen an die Great Ocean Road fährst sind, dass du halten kannst wann du willst, wo du willst und so lange bleiben kannst wie du willst. Außerdem wirst du nicht zusammen mit einem Haufen an Touristen gleichzeitig auf die Sehenswürdigkeit losgelassen.
Auf der anderen Seite musst du selbst fahren und kannst die Aussicht nicht gefahrenlos während der Fahrt genießen, du kennst manche Geheimtipps nicht, hast niemanden der dir etwas über die Orte verrät und verzettelst dich gegebenenfalls in der Zeit.
Ich denke ab drei Personen aufwärts und mehr als einem Tag Zeit kannst du deinen Trip ruhig selbst organisieren. Ansonsten kann ich dir den 14-Stündigen Ausflug über Bunyip Tours nur empfehlen.

Start einer unvergesslichen Reise

Um 7 Uhr starten wir vor unserem Hotel. Das war Zufall, denn meines befindet sich direkt gegenüber vom Büro des Veranstalters. An insgesamt vier Haltepunkten werden meine Mitreisenden eingesammelt, bis der Bus voll ist.
Nach etwa zwei Stunden kommen wir an der Great Ocean Road an und damit an unserem ersten Haltepunkt: Dem Split Point Leuchtturm.
Die Great Ocean Road ist insgesamt 243 Kilometer lang und setzt sich zusammen aus dem Surferparadies, dem Great-Otway Nationalpark, der Shipwreck Coast und vielen Küstenlandschaften. Der Abschnitt zwischen Anglesea und Port Campbell ist der spannendste und wird im Jahr von Rund 7,5 Millionen Touristen besucht.

Über die Great Ocean Road

Steilklippen der Great Ocean Road

Der Bau der Great Ocean Road war eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für heimgekehrte Soldaten aus dem ersten Weltkrieg. Heute ist sie eine der bekanntesten Scenic Routes Australiens.
Da die Berge des Hinterlandes teilweise bis zur Küste reichen, schlängelt sich die Straße kurvenreich an den Klippen entlang. Chris bittet uns, rechtzeitig Bescheid zu geben, wenn uns schlecht wird. Bevor das passiert, steht schon der nächste Halt an. Bevor es in Apollo Bay Mittagessen gibt, dürfen wir unser Glück versuchen und in Kennett River nach Koalas suchen. Neben den zahlreichen Buschbränden sind die Tiere, aufgrund einer Überpopulation, an der Zerstörung des Eukalyptuswaldes schuld.

Buschbrände sind in Australien für die Natur überlebenswichtig, da manche Pflanzen die Hitze brauchen, um erblühen zu können. Die Aborigines legten früher mit Absicht Buschbrände in den kühleren Monaten, um sie besser kontrollieren zu können. Vor zwei Jahren gab es an der Great Ocean Road um Weihnachten einen riesigen Buschbrand, bei dem viele Menschen ihre Häuser verloren. Bis auf angekohlte Baumstämme ist von diesem Unglück nichts mehr zu erahnen.
Wir haben Glück, denn ein Koala versteckt sich in der Krone eines noch nicht ganz so hohem Eukalyptusbaums. Mit diesem Erfolg schmeckt das Mittagessen gleich noch viel besser, bevor es in den Regenwald geht.

Wer den australischen Regenwald kennengelernt hat, braucht keinen botanischen Garten mehr zu besuchen

Regenwald

Der Duft von Eukalyptus ist das erste was mir auffällt, als ich aus dem Bus aussteige. Wie in einer Tüte Hustenbonbons riecht es hier. Ob Australier bei Erkältungen einen Spaziergang durch den Regenwald verschrieben bekommen? Gefühlt müssten bei diesem Geruch alle Atemwege frei werden.
Chris erzählt uns, dass hier keine gefährlichen Tiere leben. Das ist gut so, denn mein Blick ist gen Baumkronen gerichtet, um nach Koalas Ausschau zu halten. Eine Schlange am Boden hätte ich genauso wenig bemerkt, wie die Wurzel des 300 Jahre alten Myrte-Baums, über die ich im nächsten Moment stolpere.

Hohler Baum im Regenwald

Riesige Farne zieren den Wegesrand. Die mir aus Deutschland als kniehoch bekannten Pflanzen überragen hier meinen Kopf. Das Licht bricht sich in den Baumkronen und bringt das helle Grün des Farns zum Leuchten. Ich folge dem Pfad durch den Wald, halte an riesigen Stämmen an, bewundere die herabhängenden Rinden der Riesen-Eukalyptus Bäume, die mich an eine sich häutende Schlange erinnern und lausche den Rufen der Vögel, deren Stimmen ich bisher nur aus dem Vogelpark kenne.
Nach einer halben Stunde bin ich wieder am Ausgangspunkt angekommen. Leider. Kurz überlege ich, ob ich noch eine zweite Runde starten soll, da verlässt auch der Letzte aus unserer Gruppe den Wald und wir fahren weiter. Komisch, sonst gehöre ich immer zu den Schnellsten. Der Wald scheint mich so sehr in seinen Bann gezogen zu haben, dass ich nicht einmal bemerkt habe, wie mich die anderen Mitreisenden überholt haben.

Die zwölf Apostel

Zwölf Aposteln

Schon ziemlich erschöpft von den vielen Eindrücken des Tages, stehen uns nun die bekanntesten Highlights der Great Ocean Road bevor: Die zwölf Apostel und Loch Ard Gorge.
Chris erzählt uns, dass die Felsformation früher die Sau und ihre Ferkel hieß. Mit dem Namen ließen sich aber keine Touristen locken, weshalb dir die Felsen als die zwölf Apostel bekannt sein sollten. Wem die von Touristen gedrängten Aussichtsplattformen nicht ausreichen, der hat die Gelegenheit mit einem Helikopter über die Küste zu fliegen und dabei auch die Shipwreck Coast zu bestaunen. Unser nächstes und letztes Ziel.

Heldenhafte Taten und eine nicht gegebene Liebesgeschichte

Shipwreck Coast

Loch Ard Gorge ist ein Schiff, das im Jahr 1878 an dieser Küste aufgelaufen ist. Nur zwei Menschen haben das Unglück überlebt. Ein Schiffsjunge namens Tom hörte den Schrei einer Frau und sprang nach seiner geglückten Rettung wieder ins Wasser, um auch ihr Leben zu retten. Eva, die mit ihrer Familie nach Australien auswandern wollte, hatte den langen Weg von Irland auf sich genommen. Die Nacht verbrachten die beiden in einer Höhle zwischen den Klippen, bis Tom am nächsten Tag auf einer Farm Hilfe holen konnte. Für die Australier schrie das nach einer Liebesgeschichte. Nur leider konnten sich Tom und Eva nicht besonders leiden. Da Eva ihre gesamte Familie verloren hatte, kehrte sie nach Irland zurück und sah Tom nie wieder.
Von dem Schiffswrack ist zwar nichts mehr zu sehen, das tosende Wasser zeugt jedoch von der Gefahr, die hier herrscht. Schwimmen ist an dem Sandstrand verboten. Ich sitze da, blicke auf das Meer hinaus und beobachte, wie eine Welle sich an einem der Felsen bricht. Ein gelungener Abschluss für den Tag.

Mein Fazit zum Ausflug an die Great Ocean Road

Ein Tag voller Eindrücke. Ein Tag, der in Erinnerung bleiben wird. Steile Klippen, weiße Sandstrände, flauschige Koalas, beeindruckende Regenwälder und ein Teil der australischen Geschichte.
Ich hoffe, ich konnte dich mit meinem Reisebericht ein Stück weit ans andere Ende der Welt mitnehmen. Und ich hoffe, dass ich deine Neugier geweckt habe, einmal selbst die Great Ocean Road zu besuchen, den Geschichten der Einheimischen zu lauschen und mit offenen Augen die einzigartige Landschaft zu bewundern.

Regenwald in Australien

*Der Ausflug ist von mir selbst bezahlt worden und ich wurde auch nicht dazu aufgefordert diesen Artikel für den Touranbieter zu schreiben. Dieser Artikel enthält meine persönliche Empfehlung.


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