Lamington Nationalpark

Eine Nacht im Dschungel – Warum du einmal im Lamington Nationalpark gewesen sein solltest

Der Urwald Australiens.

An der Ostküste Australiens gibt es so unglaublich viele Nationalparks, dass wir unmöglich alle hätten besuchen können. Mit mir meine ich meine zwei Mitreisenden in Australien und mich. Aus einem Bauchgefühl heraus entschieden wir uns für den Lamington Nationalpark. Von Nerang aus geht es 30 Kilometer bergauf. In Australien herrscht Linksverkehr. Und ich sitze auf der Beifahrerseite. Oder wie ich es lieber nenne: Am Abgrund. Enge Straßen führen verschlungen ohne Leitplanken immer tiefer in den Urwald hinein. Neben mir nichts als gähnende Leere. Immer wieder habe ich das Gefühl, dass der Fahrer des Wagens zu weit links fährt. Viel zu ungewohnt ist es für mich auf dieser Seite des Autos zu sitzen, ohne selbst die Kontrolle über den Wagen zu haben. In meinen Gedanken stürzen wir ab. Meine Hände verkrampfen sich. Allein jetzt bin ich schon tausend Tode gestorben. Zum Glück kommt uns kein Truck entgegen, sondern nur vereinzelte Autos. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir heil am Ziel an: Der Binna Burra Lodge.


Während der Buschbräne im Jahr 2019/2020 ist die Binna Burra Lodge den Feuern zum Opfer gefallen. Ein Ort, den es nicht mehr in der Form geben wird, wie ich ihn dir in diesem Beitrag beschreibe. Nicht nur die Binna Burra Lodge wurde bei den Feuern zerstört. Unzählige Lebewesen verloren ihr Leben und Australier ihr zu Hause.


Über den Lamington Nationalpark

Morgenstimmung und Ausblick von der Binna Burra Lodge auf den Lamington Nationalpark.

Der Lamington Nationalpark ist mit 206 km² der größte subtropische Urwald Australiens. Er teilt sich in zwei Hälften auf. Im Westen ist das Gebiet Green Mountains mit dem O’Reilly’s Rainforest Retreat und im Osten der Teil Binna Burra.
Wenn du nach Unterkünften im Lamington Nationalpark suchst, bekommst du viele in Beechmont angezeigt. Von da aus sind es allerdings noch zehn Kilometer bis zum Nationalpark. Wenn du wirklich im Park selbst schlafen willst, gibt es für dich nur die zwei Möglichkeiten: O’Reilly’s Rainforest Retreat oder die Binna Burra Lodge. Solltest du mit einem Camper anreisen, kannst du an den dazugehörigen Campingplätzen einen Stellplatz finden. Gerade zur Hauptsaison sind diese schnell ausgebucht. Im März war noch viel frei, weshalb du auch einen spontanen Trip wagen kannst.

Was du alles im Regenwald erleben kannst

Wandern im Lamington Nationalpark

WLAN gibt es hier oben nicht. Dafür werden Aktivitäten wie Bogenschießen, Yoga, Massagen, sich zehn Meter tief Abseilen lassen oder mit einer 165 Meter langen Seilbahn fahren angeboten. Wir entscheiden uns ganz simpel wandern zu gehen. In Binna Burra gibt es insgesamt 14 verschiedene Wanderwege zwischen 1,2 km bis 18,9 km Länge. Sogar eine Mehrtageswanderung von 55 km ist möglich. Vorab habe ich eine Mail an die Unterkunft geschrieben, was es bezüglich der giftigen Tiere zu bedenken gibt. Ein australisches “no worry” kam zurück. Also stiefeln wir los.

Rundweg “Caves Circuit” – 5 km Länge

Ein Wanderweg mitten im Urwald des Lamington Nationalparks.

Als erstes steht der Rundweg Caves Circuit von 5 km Länge auf dem Plan. Angeblich sollen in den Bäumen viele Koalas sitzen. Ausschau nach ihnen kann ich nicht halten. Viel zu sehr ist mein Blick auf den Boden gerichtet, um bloß nicht auf eine Schlange zu treten. Die erste lässt nicht lange auf sich warten. Ich kenne mich leider nicht aus mit Schlangen und für mich sieht dieses Exemplar aus wie eine der Giftigen. Ich warte kurz ab, bis die Schlange im Dickicht verschwunden ist, dann setze ich meinen Weg unbekümmert fort. Der Wanderweg ist nicht besonders anspruchsvoll (obwohl er angeblich Level 4 von 5 hat) und schnell kommen wir am Ende an.

Gwongoorool Pool Track – 6 km Länge und eine beängstigende Begegnung

Eine riesige Python im Lamington Nationalpark

Nach der ersten Wanderung noch nicht ausgelastet, gehen wir direkt im Anschluss den 3 km langen Gwongoorool Pool Track. Da dieser Wanderweg kein Rundweg ist, müssen wir die Kilometer auch wieder zurück. Der Pfad führt tief hinab in den Regenwald. Die Temperatur kühlt deutlich ab. Von der Sonne von vorhin ist nichts mehr zu sehen. Bei dem Gedanken den ganzen Berg später wieder hinauf zu müssen, tun mir meine Muskeln jetzt schon weh.
Ein Schild zeigt an, dass wir den Fluss fast erreicht haben. Die letzten Meter liegen noch vor uns. Da mir bis dahin auf diesem Wanderweg noch keine Schlangen begegnet sind, werde ich unvorsichtig. Ich trete fast auf eine drauf. Mitten auf dem Wanderweg liegt zusammengerollt ein riesiges Exemplar seiner Gattung. Schnell springe ich einen Meter zurück. Meine Freunde laufen gegen mich.

Wanderung mit Schlangen.

Es heißt immer, die Schlangen haben mehr Angst vor uns, als wir vor ihnen. Das scheint diese Schlange nicht zu interessieren. Regungslos bleibt sie liegen. Ein Mutiger aus unserer Gruppe, der Schlangenflüsterer genannt, traut sich vorbei. Noch immer keine Bewegung. Der Gedanke, dass die Schlange vielleicht tot sein könnte kommt auf. Da bewegen sich ihre Flanken. So wie es aussieht ist sie gerade am Verdauen. Meine Freunde machen Selfies mit dem riesigen Tier. Ich stehe noch immer unentschlossen hinter ihr. Auch wenn sie jetzt ganz ruhig liegt, was ist, wenn wir später wieder zurück wollen und sie dann fertig verdaut hat?
Meine Freunde wollen weiter zum Fluss. Ich will nicht alleine im Wald zurückbleiben. Vorsichtig schiebe ich mich an der Schlange vorbei. Und lebe noch!

Am Ziel angekommen: Der Gwongoorool Pool

Gwongoorool Pool im Lamington Nationalpark in Australien

Nur wenige Meter weiter schlängelt sich eine grüne Schlange über den Boden. Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin wirkt diese nicht so entspannt. Wir warten ab, bis sie sich ins Gebüsch verzogen hat.
Vor der Wanderung habe ich mir die giftigen Sorten dieser Spezies angesehen. Alle entweder braun oder schwarz. Diese Grüne hier scheint demnach ungefährlich. Trotzdem ist mir mulmig zumute.
Als wir endlich den Fluss erreichen ist mein Durst nach Abenteuern gestillt. Nicht einmal Handyempfang gibt es, um den Notruf zu wählen, sollte einem von uns etwas passieren.
Als wir zurück wollen ist die Schlange wach – war ja klar. Wir wagen uns nicht auf dem selben Weg vorbei wie eben. Also klettern wir durch das Unterholz und hoffen, dass sich hier nicht noch mehr Tiere verstecken.
Die 3 km Bergauf, über die ich mir vorhin noch Gedanken gemacht habe, sind schneller gewandert als auf dem Hinweg.

Wie du dich bei der Begegnung mit einer Schlange verhalten solltest

Schlangen in Australien.

Anschließend haben wir jemanden gefragt, der sich mit Schlangen auskennt. Alle drei waren ungefährlich. Ich habe mich im Leben noch nie so unvorbereitet gefühlt, wie in diesem Moment. Was soll ich unternehmen, wenn jemand von einer Schlange gebissen wird?
Zuerst einmal ruhig bleiben. Nicht jede Schlange ist giftig. In Australien sterben selten Menschen an Schlangenbissen. Der Linksverkehr ist hier die viel tödlichere Falle für Touristen. Außerdem verteilt sich das Gift nicht so schnell durch den Körper, wenn das Blut nicht vor Panik durch die Venen rauscht.

Verhalten vor und nach einem Schlangenbiss

Die meisten Krankenhäuser haben Gegengifte. Wichtig ist, das betroffene Körperteil nicht abzubinden. Dadurch kann ein viel größerer Schaden entstehen, als durch den womöglich ungefährlichen Biss. Mach am besten ein Foto von der Schlange, damit im Krankenhaus bestimmt werden kann, um welche es sich handelt (ein Ratgeber empfiehlt die Schlange am besten mitzunehmen. Ich weiß beim besten Willen nicht wie: “Hallo Schlange, da du mich soeben gebissen hast, würde ich dich bitten mich ins Krankenhaus zu begleiten. Nimm bitte in meinem Rucksack Platz, damit ich dich zum Auto tragen kann. Dankeschön, du bist mir eine große Hilfe. Vielleicht beißt du beim nächsten mal einfach gar nicht zu.”).

Wie du dich am besten nach einem Schlangenbiss verhältst und wie du ihn verhinderst, erfährst du auf der Seite des Tropeninstituts.

Ein Unwetter in der Nacht

Erwachen im Regenwald.

Als wir zurück an der Binna Burra Lodge sind, ziehen dichte Nebelschwaden auf. Es fängt an zu regnen und die Frage, ob wir noch einen dritten Track gehen, erübrigt ich. In der Lodge selbst gibt es einen Lesesaal und ein gemütliches Wohnzimmer mit Brettspielen. Ich verziehe mich lieber mit einem Buch in mein Hochbett. Es fängt an zu Donnern. Blitze erhellen den Nachthimmel. Immer wieder flackert das Licht in unserer Holzhütte. Der Regen trommelt gegen das Fenster und der Wind pfeift um die Hütte.
Irgendwann schlafe ich ein. Am nächsten Morgen werde ich von den warmen Strahlen der Sonne geweckt. Als wäre nie etwas gewesen lacht sie vom Himmel und taucht den Regenwald in ein fast unwirkliches Licht.

Fazit: Warum eine Nacht im Urwald ein echtes Abenteuer ist

Ein Abenteuer im Urwald Australiens. Mit steilen Serpentinen, vermeintlich giftigen Schlangen und einem Unwetter in der Nacht. Und trotzdem eines der schönsten Erlebnisse während meiner Zeit dort. Nur Wandern werde ich das nächste Mal wohl lieber mit einem Schlangenexperten an meiner Seite.

Sonnenaufgang in Binna Burra.

Nach oben führt auch ein Weg hinab von April WynterBegleite Maddy und ihren Grandpa in die Rocky Mountains!

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20 Comments

  1. Australien sieht so traumhaft aus! Steht ganz oben auf meiner Liste, mal sehen wann es mich dorthin verschlägt. Eine Nacht im Urwald wäre wirklich ein Highlight! Ganz toller Beitrag!

  2. Bei diesem Exemplar wäre ich nicht nur einen Meter zurückgesprungen; mindestens 5 Meter! Wahrscheinlich hätte ich mich auch nicht mehr getraut weiter zu gehen 🙁

    1. Hey Angie,

      bei 5 Metern läufst du aber wieder Gefahr, dass du in die nächste Schlange trittst, die sich von hinten genähert hat 😀

      Liebe Grüße,
      Alexa

  3. Lieb Alexa,

    richtig starker Artikel. Und ich fühle mit Dir mit bezüglich der Schlangenbegegnungen. Da wäre ich auch ein riesiger Schisser gewesen!!!
    Da hast Du ja echt einiges erlebt und ich konnte bei Deiner Erzählung richtig mitfiebern.
    Und von diesem Nationalpark in Australien hab ich noch gar nichts gehört, scheint echt ein Geheimtipp zu sein!

    Liebe Grüße,
    Sabrina von COUCHFLUCHT

    1. Hey Jana,

      auf jeden Fall! Also beides. 😀 Ich weiß nicht, ob ich mich beim nächsten Mal so unbekümmert in den Wald wagen würde.

      Liebe Grüße,
      Alexa

    1. Hey Kerstin,

      ohja, das ist auch einer der Gründe, warum ich froh bin, erstmal wieder aus Australien raus zu sein.
      Bis zum nächsten Mal habe ich dann alle giftigen Schlangenarten auswendig gelernt, um mich nicht mehr vor allen fürchten zu müssen.

      Liebe Grüße,
      Alexa

  4. Wundervoller Beitrag! Ich habe herzlich gelacht 😀 Ich habe schon Respekt vor Schlangen aber eigentlich keine Angst dass sie angreifen könnten … ich habe da mehr Angst vor meiner Schusseligkeit. Wenn mich mal eine Schlange beißen sollte, dann weil ich drauf getreten bin, mich an ihr festgehalten habe oder einfach frontal rein laufe 😀 Toll dass du Tipps zum Schlangenbiss weiter gibst! Liebe Grüße Luise

    1. Hey Luise,

      oh, das könnte ich sein.
      Tollpatschigkeit in Person.
      Ich wäre deshalb ja auch beinah in eine 3 Meter lange Python getreten. Wie kann man so eine große Schlange bitte übersehen?
      Ich stelle mir das gerade bildlich vor, wie du beim Klettern durch den Urwald nach einem Ast greifst und plötzlich eine Schlange in der Hand hältst. Herrlich 😀

      Liebe Grüße,
      Alexa

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